2390 Trepanation eines Zahnes

Punktzahl:
65
(1) 3,66 (2.3) 8,41 (3.5) 12,80
Gebührenziffer:
2390
Behandlungsbereich:
Endodontie

Beschreibung

Trepanation eines Zahnes, als selbstständige Leistung

Leistungsinhalt

Eröffnung des Pulpenkavums und der Schaffung eines Zugangs zum endodontischen System.
 

Dokumentation

  • Zahnangabe
  • Vitalitätsprüfung
  • ggf. Anästhesie
  • weitere endodontische Maßnahmen
  • Verwendung von Kofferdam
  • Röntgenaufnahme

Abrechnungsbestimmungen

  • keine

amtliche Begründung

  • Die Leistung nach der Nummer 2390 kann allenfalls im Rahmen einer Notfallbehandlung angezeigt sein. Sie ist nur als selbstständige Leistung berechnungsfähig und nicht z.B. als Zugangsleistung zur Erbringung der Leistungen nach den Nummern 2410 und 2440.

Kommentare

Oktober 2018

  • Die Trepanation eines bleibenden Zahnes oder eines Milchzahnes dient der Eröffnung des Pulpenkavums und der Schaffung eines Zugangs zum endodontischen System oder kann zur Entlastung infizierten Pulpengewebes und dadurch der Schmerzstillung dienen.
  • Die Leistung kann an vitalen oder avitalen Zähnen erbracht und berechnet werden.
  • Die selbständige Leistung "Trepanation" ist mit der Eröffnung des koronalen Pulpenkavums abgeschlossen. Weitere endodontische Maßnahmen sind andere eigenständige Leistungen. Diese sind auch berechnungsfähig,
  • wenn deren Durchführung im unmittelbaren Anschluss an die Trepanation erfolgt.
  • Die Wiedereröffnung eines definitiv verschlossenen Zahnes zur weitergehenden Wurzelkanalbehandlung oder zur Revision einer vorhandenen Wurzelkanalfüllung kann erneut nach dieser Gebührennummer berechnet werden.
  • Die Leistung ist nicht berechenbar bei bereits freiliegendem Pulpenkavum z. B. nach Zahnfraktur oder bei pulpeneröffnenden kariösen Defekten.
Kommentarquelle:
BZÄK

Wiedereröffnung eines speicheldicht verschlossenen Zahnes - Abgrenzung zum definitiven Verschluss

März 2014

Eine Trepanation ist möglich bei der primären Zahneröffnung und bei der Wiedereröffnung eines definitiv verschlossenen Zahnes zur weitergehenden Wurzelkanalbehandlung oder zur Revision einer vorhandenen Wurzelkanalfüllung. Die Wiedereröffnung eines speicheldicht verschlossenen Zahnes im Verlaufe einer Wurzelbehandlung erfüllt den Leistungs inhalt der Geb.-Nr. 2390 GOZ nicht.

Trepanation eines Zahnes, als selbstständige Leistung, Juni 2014

  1. Im Sinne von § 4 Abs. 1 und 2 GOZ beschreibt jede Gebührennummer des Gebührenverzeichnisses grundsätzlich eine selbstständige und berechnungsfähige zahnärztliche Leistung. Nur Leistungen, die Bestandteil oder besondere Ausführung einer anderen berechneten Leistung sind, können nicht berechnet werden. Diese übergeordnete gebührenrechtliche Bestimmung gilt selbstverständlich auch für alle endodontischen Leistungen. Insofern erscheint der Zusatz „als selbstständige Leistung“ in der Leistungs - beschreibung der Geb.-Nr. 2390 GOZ überflüssig.
  2. Gemäß der Begründung zum Verordnungsentwurf der GOZ bestand die Intention, eine Berechnung der Geb.-Nr. 2390 GOZ neben anderen endodontischen Leistungen, jedenfalls als Durchgangsleistung, auszuschließen. Gebührenrechtlich hat diese Absicht jedoch keine konsequente Umsetzung erfahren. Ansonsten hätte der Verordnungs - geber die Formulie rung „als alleinige endodontische Leistung“ wählen können.
  3. In anderen Fällen hat der Verordnungsgeber eindeutige Ausschlussbestimmungen vorgenommen: „Neben den Leistungen nach den Nummern 2200 bis 2220 sind die Leistungen nach den Nummern 2050 bis 2130 nicht berechnungsfähig.“, „Die Leistung nach der Nummer 5040 ist neben der Leistung nach der Nummer 5080 nicht berechnungsfähig.“, „... Polieren einer Restauration in separater Sitzung, ...“ (Geb.-Nr. 2130 GOZ). Eine derartige unzweideutige Konkurrenzklausel im Verhältnis zwischen der Geb.-Nr. 2390 GOZ und anderen endodontischen Leistungen wäre problemlos möglich gewesen, ist in das Gebührenverzeichnis jedoch nicht aufgenommen worden.
  4. In die Betrachtung einbezogen werden muss auch das sogenannte Zielleistungsprinzip, wonach eine Leistung dann methodisch notwendiger Bestandteil einer anderen Leistung ist, wenn sie von der Leistungsbeschreibung der anderen Leistung (Zielleis tung) umfasst wird und auch in deren Bewertung (Gebührenhöhe) berücksichtigt worden ist.
  5. Bei der Beurteilung der Selbstständig- und damit Berechnungsfähigkeit zweier Leistungen nebeneinander ist jedoch nicht maßgeblich, ob im individuellen Einzelfall die eine Leistung erforderlich ist zur Erbringung der anderen Leistung, sondern ob bei typisierender, abstrakter Betrachtung der beiden Leistungen die eine Leistung methodisch notwendiger Bestandteil der anderen ist (BGH vom 5.06.2008, Az.: III ZR 239/07). Unter dieser rechtlichen Prämisse kann es sich bei der Trepanation jedoch nicht um eine nicht berechnungsfähige Nebenleistung z. B. der Vitalexstirpation oder Wurzelkanalaufbereitung handeln, da beispielsweise bei einer kariös oder traumatisch eröffneten Pulpa oder einer Vorbehandlung alio loco Leistungen nach den Geb. Nrn. 2360 und/oder 2410 GOZ ohne Trepanation erbracht werden, oder die Trepanation aufgrund eigener Zielsetzung erfolgt, z. B. zur Behebung der Hyperämie oder Hämostase des pulpalen Gewebes oder zur Pusentleerung.
  6. Auch in der Gebührenhöhe, z. B. der Wurzelkanalaufbereitung, hat die Trepanation keine Berücksichtigung gefunden. Da die Trepanation eines Zahnes nur einmal erfolgt, die Anzahl der aufzubereitenden Wurzelkanäle jedoch variiert, wäre unter Umständen die Aufbereitung eines oder mehrerer Wurzelkanäle überbewertet (OVG Nordrhein-Westfa - len vom 31 .08.1994, Az.: 12 A 3419/92). Die unterschiedliche Vergütung identischer Leistungen widerspricht jedoch jeder gebührenrechtlichen Systematik.
  7. Aus Vorstehendem folgt nach Auffassung der Bundeszahnärztekammer eine Berech - nungsfähigkeit der Geb.-Nr. 2390 GOZ neben anderen endodontischen Leistungen, wenn deren Leistungsinhalt vollständig erbracht wird.
  8. Der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg gelangt in einem Urteil vom 4. April 2014 (Az. 2 S 78/14) allerdings zu einem anderen Ergebnis. Das Urteil ist jedoch nicht geeignet, die vorstehend zusammengestellten Argumente zu erschüttern. Bei der Auslegung der Geb.-Nr. 2390 GOZ versucht das Gericht, den Zusatz „als selbständige Leistung“ nach seinem Wortsinn auszulegen, und stellt fest, dass die Worte die Berechnungsfähigkeit der Geb.-Nr. neben anderen Leistungen ausschließen sollen.
  9. Erkennbar übersieht das Gericht den für die Auslegung maßgeblichen Fachsprachen - gebrauch der GOZ, denn die ausschlaggebende Norm des § 4 Absatz 1 und 2 GOZ findet an keiner Stelle Erwähnung. Dieser Auslegungsmangel ist maßgeblich für die insoweit fehlerhafte Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofes.
  10. Bereits der Bundesgerichtshof hat in dem vorstehend bereits zitierten Urteil die Tex tierung 'als selbstständige Leistung' als „im Hinblick auf § 4 Abs. 2 Satz 1 GOÄ an sich überflüssigen Zusatz“ bezeichnet. 
Kommentarquelle:
BZÄK
  1. Die Trepanation ist die notwendige Eröffnung der Pulpenhöhle als erster Schritt zur Wurzelbehandlung. Dabei ist es für die Berechnung der Nr. 2390 GOZ unerheblich, ob der jeweilige Zahn vital oder devital ist.
  2. Die Entfernung nekrotischen Pulpengewebes kann zusätzlich analog berechnet werden.
Kommentarquelle:
Dr. Hinz Praxis & Wissen

Stellungnahme der Bundeszahnärztekammer April 2014

Gemäß § 6 Abs 1 GOZ analog zu berechnende Leistungen in der Endodontie

  1. Die im Rahmen der Revision von Wurzelfüllungen vor der Aufbereitung des natürlichen Wurzelkanals erforderliche Entfernung vorhandenen definitiven Wurzelfüllmaterials wird in den Fällen, in denen die unmittelbare Bearbeitung und Desinfektion des Wurzelkanalwanddentins verhindert ist und insofern die Entfernung des definitiven Wurzelfüllmaterials eine nach Art, Material- und apparativem Einsatz selbstständige Behandlung darstellt, gemäß § 6 Abs. 1 GOZ analog berechnet.
  2. Der Verschluss atypisch weiter apikaler Foramina wird in den Fällen, in denen ohne apikalen Verschluss (Apexifikation) eine ordnungsgemäße Wurzelfüllung nicht möglich ist und insofern der apikale Verschluss eine nach Art, Material- und apparativem Einsatz selbstständige Behandlung darstellt, gemäß § 6 Abs. 1 GOZ analog berechnet.
  3. Der Verschluss innerhalb des Parodontiums gelegener Perforationen des Wurzelkanalsystems stellt eine selbstständige Behandlung dar und wird gemäß § 6 Abs. 1 GOZ analog berechnet.
  4. Die Entfernung frakturierter Wurzelkanalinstrumente aus dem Wurzelkanalsystem stellt eine selbstständige Behandlung dar und wird gemäß § 6 Abs. 1 GOZ analog berechnet.
  5. Die Entfernung nekrotischen Pulpengewebes vor der Aufbereitung des Wurzelkanals stellt eine selbstständige Behandlung dar und wird gemäß § 6 Abs. 1 GOZ analog berechnet.

Gründe

  1. Die Aufbereitung eines Wurzelkanals ist Voraussetzung für die erfolgreiche Abfüllung mit Wurzelfüllmaterial. Damit diese randständig, dicht, vollständig und keimarm erfolgen kann, ist die abrasive, reduktive Präparation des inneren Kanalwanddentins erforderlich. Dabei wird infiziertes inneres Wurzelkanaldentin abgetragen, das Kanallumen auf ganzer Länge geweitet und ein der anatomischen Form sowohl im Längs-, wie im Querschnitt des Kanals folgender Hohlraum präpariert, dessen gesamte innere Oberfläche reinigenden, desinfizierenden Spülungen, ggf. zusätzlichen Anwendungen wie Geb.-Nrn. 2420, 2430 GOZ zugänglich ist und der anschließend mit dem zur Wurzelfüllung verwendeten Material (Guttapercha, Sealer, Komposit etc.) formschlüssig und randdicht verschlossen werden kann. Dies ist Voraussetzung für die möglichst dauerhafte Verhinderung einer Reinfektion des Wurzelkanalsystems und des apikalen Parodontiums. Für die Berechnung der Aufbereitung des Wurzelkanals und die anschließende Wurzelfüllung desselben stehen jeweils eigenständige Gebührennummern in der GOZ zur Verfügung.
  2. Die ggf. notwendige vorherige Exstirpation der vitalen, meist entzündlich veränderten Pulpa wird zusätzlich mit einer anderen Gebührennummer berechnet. Die Exstirpation der Pulpa kommt dabei einer Entleerung des zunächst noch unbearbeiteten Wurzelkanallumens gleich.
  3. Bei Vorliegen einer avitalen Pulpa kann die weder von der Gebührennummer 2360, noch von der Gebührennummer 2410 erfasste Entfernung nekrotischen Gewebes und die dabei erfolgende Entleerung des Pulpenkavums, bzw. des Wurzelkanallumens nicht mit einer Gebührennummer der GOZ berechnet werden. Daraus folgt eine Berechenbarkeit gemäß § 6 Abs. 1 GOZ.
  4. Die Entleerung des Wurzelkanallumens bei Vorliegen einer älteren Wurzelfüllung ist als selbständige Leistung ebenso Voraussetzung für die erfolgreiche Bearbeitung der inneren Wurzelkanalwände. Je nach Konsistenz der vorhandenen Wurzelfüllung kann dies einen verglichen mit der Entfernung der vitalen Pulpa erheblich höheren Aufwand mit sich bringen. Dieser sachlogisch eigenständige Behandlungsschritt kann, da in der GOZ nicht beschrieben, nur gemäß § 6 Abs. 1 GOZ analog berechnet werden. Nur bei einem bereits leeren Wurzelkanallumen z.B. nach einer nach mehrjähriger Devitalität erfolgten Resorption des nekrotischen Pulpengewebes oder nach Exstirpation der Pulpa alio loco erfolgt die Aufbereitung des Wurzelkanals, berechnet nach der Gebührennummer 2410, unmittelbar. Desgleichen sind im Wurzelkanal befindliche Fremdkörper (frakurierte WK-Instrumente) vor einer erfolgreichen Aufbereitung eines Wurzelkanalsystems zu entfernen. Auch dies stellt einen eigenständigen Behandlungsschritt dar, der zumeist unter erheblichem Aufwand mit besonderem Instrumentarium erfolgen muss. Auch in diesen Fällen kommt eine Berechnung nach § 6 Abs. 1 in Betracht.
  5. Wurzelkanalsysteme müssen für eine dichte Wurzelfüllung nicht nur aufbereitet sein, sie dürfen neben dem natürlichen, physiologisch ausgebildeten Foramen apikale auch keine internen, in das Parodont reichenden Öffnungen aufweisen, die eine dichte dauerhafte Wurzelfüllung verhindern und das umschließende Parodont durch Überstopfungen traumatisieren. Dies ist bei Perforationen (via falsa, iatrogen oder resorptiv), wie auch bei atypisch weiten, in ihrer Ausbildung nicht abgeschlossenen apikalen Foramina der Fall (i.d.R. bei noch nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum jugendlicher Patienten). Der Verschluss dieser atypisch lokalisierten Perforationen oder atypisch weiten apikalen Foramina wird mit besonderen pharmakologisch wirksamen Materialien in getrennter Sitzung durchgeführt. Auch hier handelt es sich um einen eigenständigen Leistungsschritt, der nur analog gemäß § 6 Abs. 1 berechnet werden kann.
  6. Das erschwerte Aufsuchen verengter Wurzelkanaleingänge und das Überwinden natürlicher Hindernisse bei der Aufbereitung des Wurzelkanals (Dentikel, Obliterationen, Verengungen, Krümmungen etc.), sowie natürlicher oder iatrogener Stufen stellt keine selbständige, analog zu berechnende Leistung dar, sondern ist mit der Grundleistung unter Berücksichtigung von § 5 Abs. 2 GOZ zu berechnen.
Kommentarquelle:
BZÄK

Referenzziffer