120a Einstellung des Unterkiefers, einfacher Art

BEMA Bewertungszahl:
204
BEMA Nr.:
120a
Behandlungsbereich:
Kieferorthopädie

Beschreibung

Maßnahmen zur Einstellung des Unterkiefers in den Regelbiss in sagittaler oder lateraler Richtung einschließlich Retention, einfach durchführbarer Art

Dokumentation

Die zahnärztlichen Aufzeichnungen und sonstigen Behandlungsunterlagen, Kiefermodelle, Fotografien und ggf. HNO-Befunde sind vier Jahre nach Abschluss der Behandlung aufzubewahren, soweit nicht andere Aufbewahrungsfristen vorgeschrieben sind.

Abrechenbar je:
Behandlungszeit von bis zu 16 Behandlungsquartalen

Abrechnungsbestimmungen

Die Zuordnung zu den Buchstaben a bis d erfolgt nach folgendem Bewertungssystem:

I. Größe der Bissverlagerung

  • 1-2 mm: 1 Punkt
  • ½ Prämomolarenbreite: 3 Punkte
  • über ½ bis 1 Prämolarenbreite: 5 Punkte

II. Lokalisation

  • einseitig: 1 Punkt
  • beiderseitig: 3 Punkte

III. Richtung der durchzuführenden Bissverschiebung

  • mesial: 1 Punkt
  • lateral: 2 Punkte
  • distal: 3 Punkte

IV. Reaktionsweise (Alter, Konstitution, Früh- und Spätbehandlung)

  • sehr günstig: 1 Punkt
  • gut: 3 Punkte
  • ungünstig: 10 Punkte

Die Summe der einzelnen Punkte ergibt die Bewertung für Schwierigkeit und Umfang der vorgesehenen Bissverlagerung:

  • 4 bis 8 Punkte = a)
  • 9 bis 10 Punkte = b)
  • 11 bis 12 Punkte = c)
  • 13 und mehr Punkte = d)
  1. Im Zusammenhang mit einer Leistung nach Nrn. 119/120 ist eine Leistung nach Nr. 01 nur abrechnungsfähig, wenn sie anderen als kieferorthopädischen Zwecken dient.
  2. Im Verlauf einer kieferorthopädischen Behandlung ist die Abrechnung von Leistungen der Nrn. 121 bis 124 neben einer Leistung der Nrn. 119/120 nicht möglich.
  3. Der Zahnarzt hat quartalsweise Abschlagszahlungen abzurechnen  bei Nr. 119 a) 11 Punkte b) 17 Punkte c) 23 Punkte d) 28 Punkte; bei Nr. 120 a) 17 Punkte b) 19 Punkte c) 23 Punkte d) 28 Punkte Für Kalenderquartale, in denen keine kieferorthopädischen Leistungen erbracht wurden, entfällt die Abrechnung der Abschlagszahlung. In diesen Fällen verlängert sich die Behandlungszeit entsprechend. Insgesamt können nicht mehr als 12 Abschlagszahlungen abgerechnet werden.
  4. Mit den Gebühren nach Nrn. 119/120 ist eine Behandlungszeit bis zu 16 Behandlungsquartalen abgegolten. Bei vorzeitigem Behandlungsabschluss können in den Fällen nach den Nrn. 119 a und b sowie 120 a und b die restlichen Abschlagszahlungen bei Ende der Behandlung abgerechnet werden. Soweit nach den Nrn. 119 c und d sowie 120 c und d eingestufte Behandlungen vor 10 Behandlungsquartalen beendet werden, erhält der Zahnarzt die bis zu diesem Zeitpunkt fällig gewordene Vergütung.
  5. Bei der Frühbehandlung eines Distalbisses, eines lateralen Kreuz- oder Zwangsbisses, sofern dieser durch präventive Maßnahmen (Einschleifen) nicht zu korrigieren ist, einer Bukkalokklusion (Nonokklusion) permanenter Zähne, eines progenen Zwangsbisses/frontalen Kreuzbisses oder der Behandlung zum Öffnen von Lücken kann der Zahnarzt quartalsweise Abschlagszahlungen nach den Nrn. 119 und/oder 120, für längstens sechs Kalenderquartale abrechnen. Diese Abrechnung ist besonders zu kennzeichnen. Bei vorzeitigem Behandlungsabschluss können die restlichen Abschlagszahlungen nach Satz 1 bei Ende der Behandlung abgerechnet werden. Die Frühbehandlung soll nicht vor dem 4. Lebensjahr begonnen werden.
  6. Die frühe Behandlung einer Lippen-, Kiefer-, Gaumenspalte oder anderer kraniofacialer Anomalien, eines skelettal-offenen Bisses, einer Progenie oder verletzungsbedingter Kieferfehlstellungen ist nach den Nrn. 119 und/oder 120 abrechnungsfähig.
  7. Über das 4. Behandlungsjahr hinausgehende noch erforderliche Leistungen sind mit Begründung und Angabe der voraussichtlichen weiteren Behandlungszeit und der Neuzuordnung aufgrund des Befundes am Ende des 4. Behandlungsjahres zu den Buchstaben a bis d der Nrn. 119 und 120 schriftlich zu beantragen. Für die nach Ablauf von 16 Behandlungsquartalen notwendigen Behandlungsmaßnahmen (mit Ausnahme der Retentionsüberwachung) werden bei Leistungen nach Nrn. 119 und 120 die Abschlagszahlungen wie unter Nr. 3 quartalsweise fällig.
  8. Wird die Behandlung abgebrochen, so erhält der Zahnarzt die bis zu diesem Zeitpunkt fällig gewordene Vergütung.
  9. Belehrende und ermahnende Informationen in einem Brief an die Patienten oder deren Erziehungsberechtigte sind mit den Gebühren nach den Nrn. 119 und/oder 120 abgegolten.
  10. Maßnahmen zur Retention können bis zu zwei Jahren nach dem Ende des Kalenderquartals, für das die letzte Abschlagszahlung nach den Nrn. 119/120 geleistet worden ist, abgerechnet werden, längstens bis zum Abschluss der Behandlung. Der Zahnarzt hat den Abschluss der Behandlung einschließlich der Retention schriftlich zu bestätigen.
  11. Die Abrechnung von Leistungen nach den Nrn. 119/120 beginnt mit der therapeutischen Phase. Das ist in der Regel die erste Maßnahme zur Herstellung eines Behandlungsgerätes oder das Extrahieren, Separieren und Einschleifen von Zähnen im engen zeitlichen Zusammenhang mit der Eingliederung des Behandlungsgerätes.
  12. Übernimmt ein Zweitbehandler die Fortführung der Behandlung nach dem ursprünglichen Behandlungsplan, so kann der Zweitbehandler die restlichen Abschlagszahlungen abrechnen. Hat der Erstbehandler 7 oder mehr Abschlagszahlungen abgerechnet, ist der Zweitbehandler berechtigt, nach Ablauf von 12 Behandlungsquartalen sofort einen Verlängerungsantrag zu stellen.
  13. Mit den Nrn. 119/120 ist die Ausstellung der Abschlussbescheinigung abgegolten.

(Siehe auch Beschluss Nr. 110 der Arbeitsgemeinschaft gem. § 22 EKVZ vom 03.05.1989, gültig ab 01.05.1989 – gilt nur für Ersatzkassen)

Kommentare

Positivliste zur Konkretisierung der vertraglichen kieferorthopädischen Leistungen

  1. Eine laterale oder sagittale Veränderung des Unterkiefers kann im Rahmen funktionskieferorthopädischer Maßnahmen erfolgen. Diese erfolgen i.d.R. bis zum Abschluss des Wachstumsalters. Maßnahmen bei abklingendem Wachstum stellen den Versuch einer Veränderung dar und sind nicht Bestandteil der vertragszahnärztlichen Versorgung.
  2. Eine funktionelle Okklusion nach gnathologischen Gesichtspunkten als “Regelbiss” ist nicht Bestandteil der Position 120.
  3. Voraussetzung für eine Frühbehandlung ist eine Einstufung nach KIG in folgende Behandlungsbedarfsgrade
    • bei Distalbiss D 5
    • bei lateralem Kreuzbiss K 3 oder K 4
    • bei Bukkalokklusion permanenter Zähne B4
    • bei progenem Zwangsbiss M 4 oder M 5
    • bei Lückenöffnung P 3
  4. Die Frühbehandlung soll nicht vor dem 4. Lebensjahr begonnen werden und innerhalb von sechs Kalenderquartalen abgeschlossen werden.
  5. Es müssen individuell hergestellte Geräte eingesetzt werden.
  6. Voraussetzung für eine frühe Behandlung ist eine Einstufung nach KIG in folgende Behandlungsbedarfsgrade:
    • bei kraniofazialen Anomalien A 5
    • bei skelettal offenem Biss O 5
    • bei Progenie M 4 oder M 5
  7. Es müssen individuell hergestellte Geräte eingesetzt werden.
  8. Konfektionierte Geräte (z. B. Ortho-Tain, Occluso-Guide etc.) sind keine Vertragsleistung.
  9. Begehrt ein Patient nach Abbruch einer vertraglichen Kfo-Behandlung die erneute Aufnahme einer Behandlung, so ist anhand der Indikations-Richtlinien zu überprüfen, ob eine Indikation für eine vertragszahnärztliche Versorgung vorliegt. Liegt diese vor, so kann ein neuer Plan erstellt werden.
  10. Die Wiederaufnahme einer abgebrochenen Behandlung aufgrund eines bestehenden Behandlungsplanes ist nicht möglich.
  11. Maßnahmen zur Retention, die über die vertraglich geregelte Retentionszeit hinausgehen sind nicht Bestandteil der vertragszahnärztlichen Versorgung.
  12. Nach Erreichen des gemäß Behandlungsplan definierten Behandlungszieles von dem Patienten bzw. den Erziehungsberechtigten gewünschte kosmetisch, ästhetisch oder den Tragekomfort begründete zusätzliche Maßnahmen sind ebenfalls nicht Gegenstand der vertragszahnärztlichen Behandlung.